Eisberge und die Folgen für die Bodenfauna
Wenige Eisberkratzer geben Hinweis auf sanftes Auseinanderbrechen des Larsen-Schelfeises
Eisberge kennt jeder, was sie anrichten, wenn sie den Meeresgrund berühren, wissen nur wenige. Gewaltige Störungsereignisse werden dadurch hervorgerufen, dass der Eisberg über den Meeresboden schabt oder an Untiefen hängen bleibt. Die Fauna wird dort völlig zerstört und der Boden erhält ein vielgestaltiges Relief, das durch planierte Flächen genauso wie durchwühltes Sediment oder Ansammlungen von Gesteinsbrocken gekennzeichnet sein kann. Die so entstandenen Lebensräume bieten für mobile Organismen neue Ansiedlungsbereiche, die nach und nach von Pionierarten erobert werden. Oft treten wie in einem Flickenteppich verschiedene Wiederbesiedlungsstadien nebeneinander auf, so dass sich die Artenvielfalt insgesamt erhöht.
Zunächst gab es die Annahme, dass im Larsen A und B Gebiet die Bodenfauna sehr stark durch Eisbergkratzer geprägt sein muss. Hier sind nämlich beim Kollabieren des Schelfeises in kurzer Zeit sehr viele Eisberge entstanden. Und je mehr Eisberge es gibt, desto größer sollte normalerweise auch die Zerstörung am Meeresboden sein. Doch weit gefehlt, nur in den flacheren Bereichen von Larsen A und B haben wir vereinzelt Eisbergkratzer gefunden. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Abbruchereignis von Larsen A und Larsen B nur halb so spektakulär gewesen sein muss, wie z.B. das Kalben von Gletschern in Alaska. Der Abbruch muss also langsam aber stetig von statten gegangen sein, was die geringe Anzahl an Eisbergkratzern erklären kann. Demnach hat die Bodenfauna widererwarten darunter direkt nicht besonders gelitten. Es fällt auch auf, dass keine oder nur sehr wenige unterschiedliche Wiederbesiedlungsstadien nebeneinander anzutreffen sind. Dies kann auf zwei Gründe zurückgeführt werden. Das Wachstum der Organismen und dadurch auch die Wiederbesiedlung schreitet nur sehr langsam voran oder die Fauna ist hier, im Gegensatz zu der in anderen Antarktischen Gebieten, an solche Störungsereignisse nicht angepasst.
Die Unterwasserfotos zeigen einmal ein von einem Eisberg abgescheuertes Stück Felsen. Im ungestörten Bereich in unmittelbarer Nachbarschaft hat sich ein Seestern niedergelassen, der durch seine ungewöhnlich vielen Arme auffällt. Auf dem Weichboden sind deutlich die parallelen Schleifspuren eines Eisberges zu erkennen. Daneben leben ein tonnenförmiger Glasschwamm, durchscheinende Seescheiden und ein gestielter Haarstern.
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