Viel zu tun! – Mein erster Wal!
Sonntag: Viel zu tun! – Mein erster Wal! Die Sonne scheint! Ich habe gut geschlafen! Und mir geht es gut! Der Tag beginnt also prima! Das übliche Treffen der Crew der Wissenschaftler beginnt wieder mit : „Das Wetter“. Den Tag über bleibt es schön, in den nächsten Tagen werden Wolken, Wind und Wellengang zunehmen. Ich bin vorerst froh, dass meinen Tiefpunkt von gestern über Nacht überwunden zu haben.Der Fahrtleiter gibt außerdem ein paar Erklärungen zu den geplanten wissenschaftlichen Stationen der Tour. Bereits mit der ersten Station werde ich zu tun haben!
Gemeinsam mit Olaf, einem Physiker des AWI, werde ich den ersten „PIES“ für die Station ANT 4.1 zum Aussetzen vorbereiten. Darüber habe ich schon etwas bei der Vorbereitung der Fahrt gehört. PIES steht für Pressure sensor equipped Inverted EchoSounder). Diese Bodendrucksensoren erfassen alle 10 Minuten den Ozeanbodendruck und die Schalllaufzeiten zwischen dem Ozeanboden und der Meeresoberfläche entlang eine Linie zwischen Afrika und der Antarktis als einer der drei Engstellen des südlichen Ozeans. Hiermit wollen die Wissenschaftler Aufschluss über die Meeresströmungen erhalten. Komplettiert werden die Daten mit den Messwerten der Satellitenmission JASON, der mittels Radar die Auslenkung der Meeresoberfläche misst. Die notwendigen Vorbereitungen sind zum einen informatischer Natur, etwa wenn die Programmcodes eingegeben und überprüft werden müssen und andererseits ganz handwerklicher Natur, wenn die mit Elektronik bestückten Messelemente an der schweren Eisenverankerung befestigt werden. Hier ist derjenige im Vorteil, der ein paar Seefahrtsknoten kann. (Ich nicht, aber ich gucke zu.)
Zusätzlich wird auch noch ein weiterer automatischer Sensor, ein Float, vorbereitet. Um die technischen Details, Zusammenhänge und Erklärungen kann ich mich in den nächsten Tagen kümmern, zu vieles ist noch neu. Zum Abschluss hilft die Crew, die vorbereitete und auf Funktionstüchtigkeit überprüfte Apparatur aus dem Labor auf das Arbeitsdeck zu bringen.Heute wurden auch die Seesäcke mit der Polarkleidung aus dem Container, wie er in Bremerhaven vor dem Beginn der Fahrt beladen wurde, ausgegeben. Noch kann ich mir bei strahlendem Sonnenschein nicht vorstellen, die warme orangefarbene AWI-Jacke zu tragen, aber die Arbeitshandschuhe sind schon mal gut.
Zum Mittag gibt es Rinderbraten mit Rotkohl und Klößen, zum Dessert Erdbeeren mit Schlagsahne…Das passt zu schwerer Arbeit, aber nicht zum so genannten „Wiegeclub“. Im Werkstattbereich durfte sich jeder auf eine überdimensionale Balkenwaage setzen und einen Tipp abgeben, inwieweit sich das Gewicht bis zur nächsten Woche ändern wird. Manche kommen beim ersten Mal in schwerer Arbeitskleidung und Eisstiefeln, um sich selbst mit den ersten, durch Ausziehen, verlorenen Kilo zum weiteren Abnehmen zu motivieren. Ich verrate hier mein Geheimnis nicht, aber klar ist die sehr ordentliche Versorgung aller Seeleute an Bord …
Als am Abend die Durchsage der Brücke lautet: „Finnwale steuerbord voraus“, bleibt alles liegen und mit dem Fotoapparat bewaffnet geht es an Deck. Zunächst kann ich gar nichts sehen, dann, viel zu weit weg, 3, 4 oder 5 Blassäulen. Die Tiere ziehen am Schiff vorbei. Vielleicht habe ich ja einen Rücken gesehen, aber es könnte auch ein Wellenberg gewesen sein. Für ein Foto hat es nicht gereicht. Ich vertröste mich auf weitere Gelegenheiten und schaue dem Sonnenuntergang zu, vielleicht ist es dazu bald zu kalt.
Fotos: Helmke Schulze
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