Friday, 12. October 2007

ANDRILL: Einzigartige Landschaft

Autor: Rainer Lehmann

Gefrorenes Meereis im McMurdo-Sund

Die Bohrung hat bereits begonnen, nachdem das Bohrteam bereits im September in die Antarktis gekommen ist, um den Bohrturm und alle notwendigen Einrichtungen zu installieren.
Der Bohrturm befindet sich auf dem Meereis im Rossmeer ca. 25 km vor der McMurdo-Station. Das Meereis ist hier seit mehreren Jahren nicht geschmolzen (multiyear sea ice) und ist daher mit einer Mächtigkeit von 8,50 m besonders dick und tragfähig. Da der Bohrturm aber besonders schwer ist, installierten Taucher unter dem Eis vier riesige Luftkissen, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. Unter dem Eis befindet sich der hier 350 m tiefe Ozean, erst dann folgen die Ablagerungen (Sedimente), die mit der Bohrung beprobt werden sollen. Die Bohrkerne sollten bis aus einer Tiefe von ca. 1000 m unter dem Meeresgrund gezogen werden. Das Bohrteam hat bereits die ersten Meter erbohrt, am Montag erwarten wir den ersten Bohrkern. Das heißt, ab Montag wird im Labor mit den Sedimenten gearbeitet!

Heute war wunderbares, sonniges Wetter. Ich habe das ausgenutzt und bin zu einem zweistündigen Ausflug aufgebrochen. Nachdem ich mich gut mit Sonnenschutzcreme eingerieben und mein Gesicht mit Schal und Kapuze geschützt hatte, wanderte ich an der Küste entlang und bestieg den Observation Hill mit 230 m Höhe. Die vielen Gebäude und die Geräusche von McMurdo blieben hinter mir, nur der Wind wehte heftig. Ein unbeschreibliches Panorama breitete sich ringsum vor mir aus: Nach Norden der natürlich völlig verschneite, aber rauchende Vulkan Mount Erebus, nach Süden und Osten das Ross-Eisschelf, nach Westen der zugefrorene McMurdosund und dahinter das Transantarktische Gebirge. Auf meinem Weg nach oben kam ich so ins Schwitzen, dass meine Brille und die darüber getragene Sonnenbrille vollständig beschlagen waren und ich erst wieder Durchblick bekommen musste. Das Hantieren mit der Kamera gestaltete sich auch als schwierig, weil auf Grund des Windes die Handschuhe nicht ausgezogen werden konnten. Die Temperatur lag heute bei -21 °C.

Durch meine Tätigkeit als Koordinator des Coole Klassen-Projekts wurde ich heute Nachmittag in die benachbarte Scott Base der Neuseeländer eingeladen. Im Rahmen von Coole Klassen hatte ich eine Besprechung mit Eric Barnes, dem Leiter der Station. Es war eine überaus freundliche und sehr anregende Diskussion und war doch einigermaßen überrascht und erfreut, wie schnell man hier nette und kooperative Menschen kennen lernen kann.

 

Foto: Rainer Lehmann

 

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